Georg-Elser-Initiative Bremen e.V. > 2008 "Weinrebs Liste" > Niederlande unter deutscher Besatzung

Deutsche Besatzungszeit in den Niederlanden 1940-1945

Bis zum heutigen Tag gelten die deutsch-niederländischen Beziehungen in politisch-psychologischer Sicht vielfach als "mühsam", "problematisch" und "schwierig". Deutsche Botschafter, die sich auf den Wechsel nach Den Haag vorbereiten, lesen in ihren Instruktionen regelmäßig über die tiefen Wunden, die die Jahre 1940 bis 1945 in den Niederlanden hinterlassen haben.

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Deutsche Kriegsverbrechen in den Niederlanden

Später Prozess gegen ehemaligen SS-Mann Herbertus Bikker

 

Fast 59 Jahre nach dem Mord an dem niederländischen Widerstandskämpfer Jan Houtman wurde am 8. September 2003 vor dem Landgericht Hagen der Prozess gegen den inzwischen 88-jährigen ehemaligen SS-Mann Herbertus Bikker eröffnet. Er ist angeklagt, den 27jährigen Houtman am 17. November 1944 auf einem Bauernhof in der holländischen Gemeinde Dalfsen erschossen zu haben.

 

Der Prozess wirft ein Licht auf die brutale Besatzungsherrschaft der Nazis in den Niederlanden und die grausame und rücksichtslose Verfolgung des Widerstands mit Hilfe einheimischer Kollaborateure, die der Waffen-SS beigetreten waren. Die Tatsache, dass der Prozess so spät eröffnet wurde, ruft auch den mehr als zögerlichen Umgang mit den Verantwortlichen der Nazi-Verbrechen in der Bundesrepublik in Erinnerung.

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Polizeibatallion 105

Das Polizeibataillon 105 wurde gemäß eines Erlasses des Reichsführers SS und Chefs der Deutschen Polizei Heinrich Himmler vom 20. September 1939 in Bremen als "Ergänzungs-Bataillon II" aufgestellt. Kommandeur wurde der Major Hans Helwes. Die Kompanie-, Zug- und Gruppenführer waren aktive Polizisten, die Mannschaften setzten sich aus Reservisten zusammen. Am 7. Oktober 1939 wurde das Bataillon in Polizeibataillon 105 umbenannt. Nach der Ausbildung wurde das Bataillon auf Anordnung von Heinrich Himmler am 1. Mai 1940 ins KdF-Bad Rügen verlegt. Von dort wurde das Bataillon nach Norwegen transportiert und war in Oslo stationiert. Im Februar 1941 kehrte das Bataillon nach Bremen zurück.482 Vom 28. Mai 1941 bis Mai 1942 war das Polizeibataillon 105 im Osteinsatz. Es stand unter dem Kommando der 207. Sicherungs-Division der Wehrmacht. Die Aufgaben des Bataillons umschreibt die Staatsanwaltschaft Bremen wie üblich mit „Partisanenbekämpfung".483(...)  Im Mai 1942 wurde das Bataillon aus dem Osten nach Holland verlegt.

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Judenverfolgung

Die Judenverfolgung                                                                                                   

Die Niederlande, das „Polen des Westens“. So heißt es manchmal, wenn sich der Blick auf die Zeit der deutschen Besatzung richtet. Anlass ist das Ergebnis der Judenverfolgung in diesem Land. Von den rund 140.000 „Volljuden“, die 1940 in den Niederlanden lebten wurden mehr als drei Viertel ermordet, so viel wie in keinem anderen westeuropäischen Land. Anfangs standen die Zeichen nicht auf Sturm. Im Gegenteil. Freudig wurde die Äußerung aus deutschen militärischen Kreisen weitergetragen, die „Judenfrage“ sei in den Niederlanden nicht existent.

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Reaktionen von Niederländern auf die deutsche Besatzung

Lange schien er unzerstörbar – der Mythos vom einigen Widerstand der niederländischen Bevölkerung gegen die deutschen Besatzer. Heutzutage aber hat man manchmal den Eindruck, dass er durch einen anderen Mythos abgelöst wird – den von der einigen Kollaboration. Doch welche Farbe beschreibt die Reaktionen der Niederländer nun am besten: schwarz, weiß oder grau? Bis tief in die sechziger Jahre schien für die Niederländer alles klar: Die Besatzungszeit war eine schwere Herausforderung gewesen, aber als Volk war man standhaft geblieben. Der kleine Prozentsatz von Mitgliedern der Nazi-Partei NSB, diese Helfer der Feinde, bildete die umso verachtenswertere Ausnahme von der Regel. Der einzige Proteststreik gegen die Judenverfolgung in Europa hatte im Februar 1941 in Amsterdam und Umgebung stattgefunden. Eine Unzahl illegaler Zeitungen war erschienen (wie beispielsweise die Trouw, Abbildung). Mehr als drei Viertel aller Studenten hatte sich geweigert, ihre Loyalität gegenüber den Besatzern zu erklären – was sie vor die Wahl gestellt hatte, unterzutauchen oder zum Arbeitseinsatz eingezogen zu werden. Das waren Ereignisse und Tatsachen, an denen sich ein ganzes Volk aufrichtete.

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