Biografisches

 

Hauptmann der dt. Wehrmacht, Niederlande

Am 16. Juli 1903 in Escherningken, Ostpreußen, geboren. Rechtsanwalt. Trat 1931 in die NSDAP ein. Bei Kriegsausbruch eingezogen. "Entscheidungsstelle über die Meldepflicht aus VO 6/41" im Generalkommissariat für Verwaltung und Justiz. Joh. Winter: Fiktive natürliche Väter. In taz vom 12. Juli 2003

http://de.wikipedia.org/wiki/Judenretter#cite_note-7

 

 

Wette Wolfram (Hg.)
Zivilcourage - Empörte, Helfer und Retter aus Wehrmacht, Polizei und SS
Fischer Verlag, Frankfurt 2004, 361 S., kt.


Sammelband über die "stillen Helden", die ihr eigenes Leben für andere auf das Spiel setzten.

Es berichten u.a. Jakob Knab (über Michael Kitzelmann), Wolfgang Oleschinski (Stefan Hampel), Gerd R. Ueberschär (Klaus Hornig), Olaf Meuther (Hugo Armann), Werner Müller (Günter Krüll), Beate Kosmala (Willi Ahrem), Winfried Meyer (Hans von Dohnanyi), Peter Steinkamp (Wilhelm Staehle), Alexander Neumann (Christian Spiering),

Johannes Winter (Gerhard Wander), Kuno Krause (Kurt Werner), Norbert Haase (Werner Keller).

 

Dr. Gerhard Wander

Dr. Wander wurde am 16. Juli 1903 in Escherninken geboren. Im Februar 1941 kam der Reichsdeutsche Wander aus Königsberg als sogenannter Arisierungsrechtsanwalt in die Niederlande.

 

 

Arisieren erhielt in den Niederlanden die Bedeutung von nicht-jüdisch machen. Von Oktober bis April 1943 arbeitete Wander beim Generalkommissariat für Verwaltung und Justiz, das unter der Leitung von H. G. Calmeyer stand. Dieses Büro bot denjenigen, die 1940 auf einem Formular erklärt hatten, jüdisch zu sein, die Möglichkeit, zu beweisen, dass Großeltern, die man als jüdisch eingetragen hatte, in Wirklichkeit keine Juden gewesen waren. Mittels des Büros von Calmeyer wurde geprüft, ob das Ersuchen, nicht als jüdisch registriert zu werden, berechtigt war. Dr. Wander schaffte es, günstige Entscheide für viele Juden zu erwirken und diese so vor der Deportation zu bewahren.

 

Der Amsterdamer Rechtsanwalt Mr. Dr. Benno Stokvis, der die Interessen von Dutzenden jüdischen und halbjüdischen Menschen vertrat, nannte in der Zeitschrift „Panorama“ Dr. Wander eine superintelligente und unerschütterliche Persönlichkeit und einen mutigen Mann.

 

Allmählich schöpften die deutschen Behörden Verdacht und so wurde Wander zum Befehlshaber der Sicherheitspolizei und des Sicherheitsdienstes in Amsterdam Willy Lages gerufen. Dieser nannte ihn einen Judenfreund. Durch sein Zutun wurde Wander zum Militärdienst einberufen.

 

Wiederholt kehrte Wander, obwohl in Uniform, heimlich zurück und kam in den Niederlanden in Kontakt mit verschiedenen wichtigen Personen der Illegalität. Anfang September 1944 während eines Urlaubs desertierte er und tauchte bei seiner niederländischen Freundin unter. Über seine weitere Tätigkeit in der Widerstandsbewegung gibt es in den zur Verfügung stehenden Unterlagen nur beschränkte Angaben. Über seine Kontakte zum niederländischen Widerstand ist mehr bekannt als über seine Verbindungen und Aktivitäten mit antinazistischen deutschen Offizieren.

 

Mr. Strikker, damals Direktor der Heinekens Brauerei und wichtiger Vertreter der Arbeitgeber, später Außenminister, schreibt in seinen Erinnerungen, dass er schon Ende 1941 Wander als jemand kennenlernte, der in engem Kontakt stand mit einflussreichen Deutschen und einer Gruppe anti-nationalsozialistischen Offizieren der Luftwaffe. Wander tat alles Mögliche, um Terror und Raub in den Niederlanden soviel wie nur möglich zu verhindern. Damals versuchte Stikker aber vergeblich von Wander Informationen auf militärischem Gebiet zu bekommen, denn er fühlte sich durch seinen Offizierseid gebunden. Später hat sich seine Haltung diesbezüglich wohl geändert, denn gemäß De Jong blieb Wander weiterhin, nachdem er untergetaucht war, in Kontakt mit seinen deutschen Verbindungen. Er hat verschiedene illegale Gruppen mit deutschen Papieren und Informationen aus dem deutschen Militärapparat geholfen.

 

In der Zeitschrift „Panorama“ berichtet der ehemalige Kriminalinspektor der Polizei in Den Haag E. van der Noorda, der damals in der Nähe der niederländischen Grenze aktiv in der Widerstandsbewegung war, dass im Dezember 1944 illegal Tätige in Amsterdam Wander zu ihm geschickt hatten mit der Bitte, ihm bei seinem Versuch, England zu erreichen, zu helfen. Van der Noorda berichtet auch über Kontakte von Wander mit Offizieren um Stauffenberg. Stikker schreibt, dass im Januar 1945 Wander ihn besuchte mit der Frage, ob er behilflich sein könnte bei einem Versuch, die Alliierten mit einem Bericht über eine bedingte Bereitschaft von Göring zur Übergabe zu erreichen. Stikker konsultierte dazu das in der Illegalität existierende Kolleg von Vertrauensleuten. Diese wollten zuerst einen Beweis, dass Wander Einfluss in Deutschland hatte. Dazu fragten sie ihn, über seine geheimen Kanäle zur Luftwaffe an einem bestimmten Tag und an einer bestimmten Stelle eine umschriebene Übung von deutschen Flugzeugen ausführen zu lassen. Wander akzeptierte diese Forderung und tauchte wieder unter.

 

Noch vor dem für die Übung festgelegten Datum kam Wander um. Am 22. Januar 1945 wurde das Haus, in dem er sich befand, überfallen. Wander versuchte zu flüchten, wurde aber niedergeschossen und tödlich getroffen. Wander wurde zuerst in Amsterdam begraben. Nach dem Krieg wurden seine sterblichen Überreste auf dem Friedhof für in den Niederlanden verstorbene Deutsche in Ijesselsteyn beigesetzt.

Aufgrund seiner Verdienste für die niederländische Sache hielt der Vorstand der Kriegsgräberstiftung es im Jahre 1962 für richtig, Wander auf dem Ehrenhain Loenen beizusetzen.

 

1975 wurde Dr. Wander posthum die Yad Vashem Unterscheidung, die höchste Ehrung des Staates Israel, verliehen.

(Übersetzung aus dem Niederländischen: Ann Notowicz)

http://www.drafd.de/htdocs/archiv/2001/InfoMai01.pdf

 

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