Ludwig Baumann


Ludwig Baumann wurde am 13.12.1921 als Sohn eines Tabakgroßhändlers in Hamburg geboren. Er trat weder der HitlerJugend noch einer anderen Organisation der NSDAP bei.

1940 wurde er Marinesoldat und hat sich „dann gleich verweigert, wenn ich dran war, für Vorgesetzte Stiefel zu putzen, habe ich nicht gemacht. ... Ich hatte überhaupt keine Lust, Soldat zu sein. Ich habe immer schon gedacht, wenn Hitler so getönt hat im Radio, Lebensraum für das Deutsche Volk im Osten, was denn dann sein wird mit denen, die da Leben. Sollten die alle vertrieben werden oder ermordet? Als die Sowjetunion überfallen wurde haben wir ja in den Wochenschauen gesehen, die Siegesmeldungen, riesige Kesselschlachten, 600.000, 700.000 im Kessel auf freiem Feld, dann kam der frühe kalte Winter mit unter 30 Grad, da sind viele deutsche Soldaten erfroren. Und dann liefen die Kleidersammlungen, aber nur für die deutschen Soldaten. Da haben wir uns hingesetzt und diskutiert, dass die russischen Soldaten doch alle erfrieren und verhungern, und so war es ja auch. Und da haben wir gesagt, das machen wir nicht mit, diese Verbrechen, wir hauen ab, ich auch, ich wollte ganz einfach Leben, das nicht mitmachen.“

Am 3. Juni 1942 zog Ludwig Baumann die Konsequenzen und desertierte bei Bordeaux. Bereits am nächsten Tag wurde er gefasst. In den folgenden Verhören wurde er immer wieder blutig geprügelt.

Am 30. Juni 1942 wurde Ludwig Baumann binnen 40 Minuten wegen Fahnenflucht im Felde zum Tode verurteilt. Monatelang vegetiert er in der Todeszelle. Sein Vater reicht ein Gnadengesuch bei Ludwigs oberstem Dienstherrn ein. Bereits nach sieben Wochen erfolgt di Begnadigung zu 12 Jahren Zuchthaus. Von der Umwandlung der Strafe erfährt Baumann erst nach vielen Monaten. So saß er, Tag und Nacht mit Ketten an Händen und Füßen gefesselt, zehn qualvolle Monate in der Todeszelle. „Jeden morgen, wenn die Wache wechselte, dachte ich, jetzt holen sie dich raus, und wenn sie dann an der Zelle vorbei waren, dann war ich wieder einen Tag gerettet. Das verfolgt mich heute noch manchmal im Traum.“

Ludwig Baumann wurde nach seiner Begnadigung in das KZ Esterwegen und später in das Wehrmachtsgefängnis Torgau Fort – Zinna eingeliefert (WANN – WIE LANGE?) Menschen, die dem militärischen Strafvollzug in die Hände fielen, wurden „zu einem absoluten Nichts, zu einer geschundenen Kreatur ohne Recht auf Ehre, Würde und Dasein“.(Fritz Wüllner / Fietje Ausländer). In Torgau „Fort Zinna" wurde er in einer verschärften Ausbildung für seinen Einsatz in „Himmelfahrtskommandos“ an der Ostfront im Bewährungsbataillon 500 ausgebildet.

Weihnachten 1945 ist Ludwig Baumann wieder zuhause. Er ist damit einer der Wenigen, (4.000 von über 100.000) die Militärstraflager und Bewährungseinheit lebend überstanden haben. Er leidet darunter verachtet und beschimpft zu werden und versucht, die Diskriminierungen, das Grauen in der Todeszelle wie an der Front zu verdrängen, aber er hält dem Druck nicht Stand. Der Heimkehrer fühlt „sich einsam und verlassen und säuft buchstäblich ab, in viel zu viel Alkohol“.

In den 1980er Jahren engagierte er sich in der „DritteWelt“ und Friedensbewegung.

Mit der Einweihung des Deserteurdenkmals 1986 im Bürgerhaus Vegesack beginnt Ludwig Baumann um seine Würde und gegen seine Kriminalisierung zu kämpfen. Am 30. Oktober 1990 gründet er mit 36 Leidensgenossen und einigen engagierten Wissenschaftlern die Bundesvereinigung Opfer der NS – Militärjustiz e. V., deren Vorsitzender er wurde und es bis heute geblieben ist. Seither kämpft Baumann von seiner kleiner Wohnung in Bremen - Vegesack aus „wie besessen", wie er selbst sagt, um seine Sache.


Bisherige Ehrungen
1995: 36 Prozent der Bundesbürger würdigen Soldaten, die von der HakenkreuzFahne gingen, als Widerständler, zehn Prozent gar als Helden. Nur noch jeder siebte Bürger (ca. 15 Prozent} sieht Deserteure negativ, kaum jemand noch als vorbestrafte Kriminelle. (Das Parlament, Nr. 50, 1995, S. 15)

1994: Sievershäuser Friedenspreis.
1995: Aachener Friedenspreis
1996: schlägt eine Potsdamer Initiative Ludwig Baumann für den Friedensnobelpreis vor.
2007: Friedenspreis der Villa Ichon, Bremen.

Georg Elser-Initiative Bremen e. V.  Landeszentrale für politische Bildung Bremen – Erinnern für die Zukunft

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