Ludwig Baumann Radio Bremen Gesprächszeit 06 März 2009

Gesprächszeit
Ludwig Baumann
Vorsitzender der Bundesvereinigung Opfer der NS-Militärjustiz e.V.
Ludwig Baumann zu Gast im Nordwestradio im Weserhaus [Quelle: Radio Bremen]

Ludwig Baumann, 87, geboren und aufgewachsen in Hamburg, ist Deserteur des Zweiten Weltkriegs. 1942 flüchtet er von seinem Militärposten in Bordeaux, wird von einer NS-Zollstreife aufgegriffen und bangt monatelang in einer Todeszelle. Über Kontakte ins Militär erreicht sein Vater eine "Begnadigung": 12 Jahre Zuchthaus statt Todesstrafe. Baumann kommt ins KZ Esterwegen und anschließend ins Wehrmachtsgefängnis Torgau, verrichtet dort Zwangsarbeit. In einem Strafbataillon muss er an der Ostfront kämpfen, wird verletzt und überlebt den Krieg nur zufällig.

Nach seiner Rückkehr nach Hamburg der Absturz: Traumatisierung, Tod des Vaters, Alkohol und- gesellschaftliche Ächtung. Baumann wird beschimpft als "Kameradenschwein" und "Verräter". In Bremen lernt er seine Frau kennen. Nachdem sie bei der Geburt des sechsten Kindes stirbt und allein verantwortlich für die Kinder ist, schöpft er nach und nach Kraft, sich zu engagieren. Zunächst in der Friedensbewegung. Dann für Leute wie ihn selbst: ehemalige Soldaten, die von NS-Militärgerichten verurteilt worden sind. 1990 gründet er in Bremen die "Bundesvereinigung Opfer der NS-Militärjustiz e.V." und ist maßgeblich beteiligt daran, dass der Bundestag die meisten NS-Strafrechtsurteile inzwischen aufgehoben hat. Baumanns letzter Kampf: die pauschale Rehabilitierung der so genannten "Kriegsverräter".

URL: http://www.radiobremen.de/nordwestradio/sendungen/gespraechszeit/gespraechszeit102.html

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