Wolfram Wette NS-Militärjustiz und "Kriegsverrat"

Weser-Kurier, Stadtteilkurier  22.06.2009

NS-Militärjustiz und "Kriegsverrat"

Wolfram Wette spricht heute Abend


Altstadt (xck). "Das letzte Tabu. NS-Militärjustiz und Kriegsverrat" ist der Titel eines  Vortrags, den Professor Wolfram Wette von der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg am heutigen Montag ab 19.30 im Domkapitelsaal, Domsheide 8, hält. Auf Einladung der Bremer Stiftung „Die Schwelle“ spricht Wette über Männer, die zwischen die Mühlen der NS-Justiz gerieten. 

Als „Kriegsverräter“ gebrandmarkt wurden die Wehrmachtssoldaten zum Tode verurteilt. Wer entkam, wurde von einstigen Kriegskameraden mitunter noch Jahrzehnte später als Verräter, Feigling oder Drückeberger beschimpft. Der Deutsche Bundestag hat die verurteilten Soldaten bis heute nicht in seine Rehabilitierungspolitik einbezogen.

Selbst 2002 noch, als die Deserteure des zweiten Weltkrieges endlich pauschal rehabilitiert wurden, klammerte das Parlament die so genannten Kriegsverräter aus – und das obwohl die wegen Landesverrats und Spionage ergangenen Urteile längst aufgehoben sind.

Gemeinsam mit weiteren Militärhistorikern hat Professor Wette Urteile wegen Kriegsverrats zusammengetragen und in dem Buch „Das letzte Tabu. NS-Militärjuristen und Kriegsverrat“ publiziert (erschienen ist es im Aufbau-Verlag Berlin 2007 und bei der bundeszentrale für politische Bildung). In seinem Vortrag zeigt er auf, dass die meisten Urteile nicht einmal unter der damals geltenden Militärgesetzgebung rechtmäßig waren. Denn die meisten Verurteilten hatten keineswegs landesverräterische Kontakte zu Feindmächten. Vielmehr handelte es sich um unbotmäßige oder widerständige Männer mit moralischen oder politischen Motiven.

Der Vortrag ist Teil des Begleitprogramms zur Ausstellung „Was damals Recht war…Soldaten und Zivilisten vor Gerichten der Wehrmacht“, die bei freiem Eintritt noch bis zum 28. Juni in der Unteren Rathaushalle zu sehen ist.

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