Eine Gesellschaft ermittelt gegen sich selbst


Zur Geschichte der Zentralen Stelle zur Aufklärung von NS-Verbrechen in Ludwigsburg


Vortrag von Oberstaatsanwalt Kurt Schrimm am 3. Juni

John Demjanjuk ist nach Deutschland ausgeliefert worden. Ihm wird vorgeworfen, an der Ermordung zehntausender Juden beteiligt gewesen zu sein. Sind inzwischen nicht alle NS-Verbrecher verurteilt oder gestorben? Nein. Oberstaatsanwalt Schrimm, Leiter der „Zentralen Stelle“ kann von einer Reihe noch anstehender Fälle berichten.

Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges wurden zahlreiche Täter zunächst von den Alliierten, dann auch von Gerichten der Bundesrepublik vor Gericht gebracht. Doch u. a. durch die Kontinuität in der Justiz, in der die vormaligen NS-Beamten weiterhin saßen, blieben unzählige Taten unaufgeklärt und ungesühnt.

1958 endlich, auf Betreiben des damaligen hessischen Generalstaatsanwaltes Fritz Bauer und anderer aufrechter Juristen, wurde die „Zentrale Stelle“ in Ludwigsburg eingerichtet. Oberstaatsanwalt Schrimm berichtet über die wechselvolle Geschichte dieser Einrichtung, die nur ermitteln, selbst nie Anklage erheben kann. Anfangs stieß die Einrichtung auf breite Ablehnung in der Bevölkerung und auf Misstrauen bei politisch Verantwortlichen. Die ermittelnden Juristen führten einen Kampf gegen die Zeit und viele Widerstände.

Der Vortrag mit anschließender Diskussion beginnt um 19 Uhr im Landgericht Bremen, Schwurgerichtssaal, Domsheide 16. Die Einführung hält die Dekanin des Fachbereichs Rechtswissenschaft der Universität Bremen, Frau Professor Edda Weßlau. Veranstalter sind das Landgericht Bremen, die Universität Bremen (Fachbereich Rechtswissenschaft) und die Georg-Elser-Initiative Bremen e. V.

Die Veranstaltung ist Teil des Begleitprogramms der Ausstellung „Was damals Recht war …“ – Soldaten und Zivilisten vor Gerichten der Wehrmacht, die bis zum 28. Juni in der Unteren Rathaushalle gezeigt wird.

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