Foto_ Pastor ter Horst

Weser-Kurier 3.Juni 2009
   
Stadtteilzeitung für Schwachhausen · Horn-Lehe · Oberneuland · Borgfeld

"Hilfe für jeden, der dem Krieg entflieht"

Diskussion mit Pastor Karl ter Horst im Forum Kirche / Empörung über Bundeswehr-Auftritt beim Kirchentag
Von Britta Veltzke
 

Schwachhausen. "Ich bin Seelsorger für jeden, der dem Krieg entflieht", betonte Karl ter Horst. Der Pastor aus Schüttdorf und seine Frau hatten sich während des IrakKrieges entschlossen, Deserteuren in ihrem Haus Unterschlupf zu gewähren. Jetzt diskutierte ter Horst über das Thema Kriegsdienstverweigerung und Desertion mit 35 Besuchern im Forum Kirche.

Zu der Diskussionsrunde im Rahmen der Ausstellung "Was damals Recht war…", die derzeit in der unteren Rathaushalle zu sehen ist, hatten das Evangelische Bildungswerk Bremen und die Georg-Elser-Initiative eingeladen. Der Referent, Pastor ter Horst, ist vor allem durch seine aktive Unterstützung für Deserteure bekannt geworden. Nach einem großen Medienrummel sei die anonyme Unterbringung von "Fahnenflüchtigen" in seinem Haus unmöglich gewesen. Gemeinsam mit Freunden und Bekannten in ganz Europa habe sich damals ein Netzwerk von Stellen gebildet, an denen sich Soldatinnen und Soldaten, die aus Kriegsgebieten wie dem Irak oder Afghanistan kommen, verstecken können.

Etwa 5000 bis 7000 amerikanische Soldaten seien allein aus dem Irak geflohen, berichtete der Pastor. Viele von ihnen hätten sich vor oder nach der Flucht an Seelsorger oder an Organisationen wie Connection e.V. gewandt.

Ihm liege es im Blut, gegen den Krieg zu sein, sagte Karl ter Horst: "Meine Eltern, die den Zweiten Weltkrieg miterleben mussten, haben mich so erzogen." Er sei überzeugt davon, dass Konflikte nicht mit Waffengewalt gelöst werden können. Gestützt wurde seine These von einer Teilnehmerin der Diskussionsrunde, die selbst einige Jahre im Irak zivile Hilfe geleistet hat: "Uniformen und Waffen gefährden zivile Einrichtungen eher, als das sie sie schützen." Nur in Abwesenheit von Soldaten habe sie im Irak sicher handeln können.

Als kirchlicher Seelsorger kennt ter Horst nur zu gut die Probleme von stationierten Soldaten, die ihren "Auftrag" in Frage stellen: "Die Desertion ist illegal, daher birgt sie viele Probleme und Gefahren für die Betroffenen." Anonym unterzutauchen sei gar nicht so einfach, erklärt der Pastor. Sowohl in den USA, als auch in Deutschland werde Fahnenflucht mit Freiheitsstrafe geahndet. Daher rät der Referent den Soldaten, erst einmal zu legalen Wegen, wie die nachträgliche Kriegsdienstverweigerung, oder zu einem psychologischen Gutachten, das den "Weg aus dem Krieg" ebnen könne. Die Desertion hält er - nach Abwägung aller persönlichen Risiken - für das letzte Mittel.

Karl ter Horst sucht auch das Gespräch mit jungen Menschen, die in Erwägung ziehen, Dienst an der Waffe zu leisten. Erreichen wolle er damit, dass den Jugendlichen klar werde, nicht sich und andere zu gefährden. Viele junge Menschen sähen in der Bundeswehr, die Absolventinnen und Absolventen mit guter Bezahlung und Aufstiegsmöglichkeiten locke, eine Karrierechance.

An dieser Stelle nahm die Diskussion eine schnelle Wendung: Die Anwesenheit der Bundeswehr und die Anwerbung junger Menschen auf dem Kirchentag rückte in den Mittelpunkt des Streitgesprächs. Dass der Bundeswehr dort ein Forum gegeben wurde, wird von der deutlichen Mehrheit der Diskussionsteilnehmer scharf verurteilt. Auch ter Horst, der den Kirchentag nicht besuchen konnte, ist über den uniformierten Auftritt empört: Er wünsche sich in der evangelischen Kirche ein eindeutigeres Nein zu Waffen und ein Bekenntnis zum Pazifismus.

Gemeinsam formulierten die Besucher der Diskussionsrunde eine Stellungnahme gegen die Präsenz der Bundeswehr auf Kirchentagen, die unter anderem an das zentrale Büro des Deutschen Evangelischen Kirchentages in Fulda geschickt werden soll.

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